Verschuldensunabhängige Haftung bei Brand des Nachbarhauses

Ein Handwerker hatte bei Arbeiten an der Dachabdichtung unter den aufgeschweissten Bahnen ein Glutnest hinterlassen. Das führte nicht nur zum Brand und zur vollständigen Zerstörung des betroffenen Hauses, sondern auch zu grossen Brand- und Löschwasserschäden am Nachbarhaus. Die Erben der im Laufe des Prozesses verstorbenen Eigentümer des Hauses, an dem die Arbeiten durchgeführt worden waren, sollten nun der regulierenden Gebäudeversicherung des Nachbarn eine Entschädigung in Höhe von 100.000,- € zahlen. Der Handwerker war insolvent.
Ein Schadensersatzanspruch würde Verschulden voraussetzen. Der Eigentümer kann sich daher freizeichnen, wenn er einen zuverlässigen Handwerker ausgesucht hat, meint man.
Der Bundesgerichtshof sah hier aber dennoch eine Haftung des Eigentümers und zwar sogar ohne Verschulden. Er wendete § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB entsprechend an, den sogenannten nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch. Dieser Paragraph regelt – vom Wortlaut nur schwer verständlich – daß ein Eigentümer von dem Benutzer des anderen Grundstücks Geld verlangen kann, wenn auf sein Grundstück unzumutbar eingewirkt und eine wesentliche Beeinträchtigung durch eine ortsübliche Benutzung des anderen Grundstücks herbeigeführt wird. Die Richter waren der Ansicht, daß der Brand hierunter zu fassen sei und verurteilten die Erben der Eigentümer zur Zahlung.

Gericht: 

BGH

Urteil vom: 

09.02.2018

Aktenzeichen: 

V ZR 311/16

Quelle: 

NZM 2018, 224

Urteile: 

Wohnungseigentumsrecht